Gütesiegel: Welches Siegel steht für was


24.07.2017von der Redaktion

Gütesiegel und Zertifikate – so präsentiert sich Ökostrom

Ökostrom war nicht immer Ökostrom. Der eine oder andere Anbieter mischte schon einmal Strom aus herkömmlicher Stromerzeugung bei, für den Verbraucher war dies schlicht Etikettenschwindel. Sauberer, 100prozentiger Ökostrom, lässt sich heute an Gütesiegeln und Zertifikaten erkennen. Warum Siegel und Zertifikate?

Die Zertifikate bestätigen, dass es sich tatsächlich um reinen Ökostrom handelt. Sie dokumentieren, wie der Strom erzeugt wird. Für Ökostrom-Zertifikate besteht ein Markt, sie besagen nichts darüber, wie es sich mit der Qualität des Stroms verhält.

Die Gütesiegel geben über die Qualität des Stroms Auskunft, beispielsweise, in welchem Umfang der Versorger in die Gewinnung regenerativer Energie investiert.

In Deutschland gibt es eine Reihe von Gütesiegeln und von Zertifikaten, die wir kurz vorstellen möchten.

TÜV

Das Zertifikat des TÜV Nord bestätigt, dass es sich bei dem gelieferten Strom um 100 Prozent Ökostrom handelt. Darüber hinaus steht es dafür, dass der Versorger einen wirklichen Beitrag zur Förderung regenerativer Energie leistet. Grundlage dafür ist, dass sich der Versorger an den Kriterienkatalog für geprüften Ökostrom hält.

Der TÜV Süd bietet gleich zwei Zertifizierungen an. Die Zertifizierung EE01 sieht vor, dass 30 Prozent des gewonnenen Stromes aus neuen Anlagen stammen. Die Preisaufschläge für Ökostrom werden für die Investition in weitere Anlagen verwendet. Die Details zu EE01 finden sich hier.

Die Zertifizierung EE02 sieht ebenfalls die Verwendung von 100 Prozent Ökostrom vor. Allerdings muss der Versorger in der Lage sein, entsprechend des Bedarfes diesen zeitgleich decken zu können. Verbrauchsspitzen dürfen nicht durch herkömmlichen Strom ausgeglichen werden.

OKpower

Der Verein EnergieVision e.V. hat das Gütesiegel „OKpower" entwickelt. Träger des Vereins sind die HIR Hamburg Institut Research gGmgH und das Öko-Institut e.V. Träger des Siegels stehen dafür, dass sie einen überdurchschnittlichen Beitrag zur Energiewende leisten. Für den Erhalt des Siegels müssen zwei von drei Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Ausschließliche Belieferung mit Ökostrom, der nachweislich ökologisch verträglich produziert wurde.
  • Förderung der Systemintegration erneuerbarer Energien durch den Versorger oder
  • Beschleunigung des Ausbaus erneuerbarer Energien.

Für die Anbieter, die dieses Siegel anstreben, gelten selbst noch weiterführende Kriterien:

  • Sie dürfen nicht an Braukohle- oder Atomkraftwerken beteiligt sein.
  • Sie dürfen nicht an der Planung solcher Kraftwerke beteiligt sein.
  • Die Vertragsgestaltungen für die Endabnehmer müssen hochgradig verbraucherfreundlich formuliert sein.

Das Gütesiegel OK power wird im Rahmen von drei unterschiedlichen Ansätzen vergeben.

Im Rahmen des Händlermodells erhält der Kunde 100 Prozent Ökostrom. Davon dürfen nicht mehr als 30 Prozent aus Anlagen geliefert werden, die älter als sechs Jahre sind. Weitere 30 Prozent müssen aus Anlagen stammen, die nicht älter als zwölf Jahre sind. Darüber hinaus ist es nicht zulässig, dass die Anlagen mit Geldern des EEG gefördert wurden.

Das Innovationsfördermodell , seit 1. Januar 2016 gültig, sieht eine Steigerung der Investitionen in neue Anlagen vor. Der Versorger bildet Rücklagen auf einem speziellen Rücklagenkonto, die er zeitnah in neue Anlagen investiert. Die Rücklagen betragen zwischen 0,5 und 0,2 Cent pro verkaufter kWh.

Mithilfe des Initiierungsmodells soll eine konstante Ausweitung der Produktion von Ökostrom erfolgen. Der Versorger muss nachweisen, dass 50 Prozent des von seinen Neukunden verbrauchten Stroms aus von ihm erstellen Anlagen zur Gewinnung regenerativen Stroms stammte. Die Zeitdauer für diesen Nachweis beträgt fünf Jahre. Im Anschluss ist er verpflichtet, jährlich neue Anlagen zu bauen, die mindestens vier Prozent des Stroms seiner Altkunden produzieren. Die Quintessenz aus diesem Modell ist, dass alle 25 Jahre eine Runderneuerung der Anlagen zur Ökostromgewinnung erfolgt.

Grüner Strom Label

Zu den Gründern des "Grüner Strom Label e.V" zählen unter anderem der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und der Naturschutzbund Deutschland (NABU). Das Label Grüner Strom sieht eine maximale Transparenz der Herkunft des eingespeisten Ökostroms vor.

  • Den Verbrauchsmengen müssen die erzeugten kWh gegenübergestellt werden, um auszuschließen, dass grauer Strom verwendet wurde.
  • Versorger, die dieses Gütesiegel anstreben, dürfen nicht am Handel mit RECS-Zertifikaten, der Übertragung fiktiver Umweltvorteile, teilnehmen.
  • Erhältlich ist dieses Siegel auch nur, wenn der im Strompreis enthaltene Förderbeitrag direkt in den Ausbau von Anlagen zur Gewinnung regenerativer Energien genutzt wird.

Für den Verbraucher ist damit sichergestellt, dass er einerseits garantiert regenerativ erzeugten Strom erhält, zum anderen, dass der Ausbau zur Gewinnung davon kontinuierlich vorangetrieben wird.

RECS-Zertifikate

Vorab sei gesagt, dass RECS im Laufe des Jahres 2016 eingestellt und durch das neue EECS-GoO, einer Umsetzung einer EU-Richtlinie ersetzt werden. Bei diesen Zertifikaten handelt es sich um ein zweigleisiges Vorgehen. Das Renewable Energy Certificate System (RECS) unterscheidet zwischen physisch geliefertem Strom und fiktiven ökologischen Vorteilen aus Ökostrom. Diese Vorteile können in Form von Zertifikaten erworben und gehandelt werden. So kann beispielsweise ein Kohlekraftwerk Zertifikate erwerben und indirekt an der Gewinnung von Ökostrom beteiligt sein. Dieser in 15 europäischen Ländern geltende Standard erinnert jedoch ein wenig an den Ablasshandel der katholischen Kirche.

Für jede MWh produzierten Ökostroms wird ein solches Zertifikat ausgestellt und kann dann erworben werden. Mit dem Erlös aus dem Zertifikat soll die Erstellung von Anlagen zur Gewinnung regenerativer Energie gesteigert werden. Der Vorwurf seitens Umwelt- und Verbraucherschützer zielt ganz klar darauf ab, dass hier durchaus Etikettenschwindel möglich ist, da Versorger aus dem Bereich Atomenergie auf den Besitz solcher Zertifikate verweisen können.

Herkunftsnachweisregister des Umweltbundesamtes

Nicht jeder Stromproduzent nimmt die Förderung durch EEG-Mittel wahr oder erhält diese. Wer jedoch nachweislich ausschließlich Strom aus regenerativen Quellen erzeugt, kann sich dies im Herkunftsnachweisregister des Umweltbundesamtes bestätigen lassen. Dieses Register existiert seit dem Jahr 2012. Es ist auch möglich, diese Herkunftsnachweise, ähnlich den RECS-Zertifikaten, zu vermarkten. Während RECS jedoch keine staatliche Variante darstellt, handelt es sich bei dem Herkunftsnachweisregister um die Umsetzung einer EU-Richtlinie, die europaweit Gültigkeit besitzt. Damit ist ebenfalls der grenzüberschreitende Handel möglich.

Die Herkunftsnachweise sind ausschließlich den Versorgern vorbehalten, die an Endverbraucher liefern. Sie informieren darüber, in welchem Land mit welcher Anlage wie viel Strom erzeugt wurde. Darüber hinaus geben sie Auskunft über die erzeugte Strommenge und die erhaltene Förderung. Wer als Verbraucher Wert darauf legt, definitiv ökologisch erzeugten Strom zu erwerben, sollte bei diesem Zertifikat seines Versorgers auf den Zusatz „optionale Kopplung" achten. Damit wird deutlich, dass der Versorger sowohl den Strom, als auch den Herkunftsnachweis eingekauft hat.