Nachtstrom – die preiswerte Alternative


24.07.2017von der Redaktion

Nachtstrom

Um es vorweg zu sagen, Nachtstrom ist keine eigene „Stromgattung“ wie Ökostrom, sondern bezieht seinen Namen aus der abweichenden Form der Stromlieferung. Es ist nachvollziehbar, dass die Stromversorger tagsüber größere Nachfrage haben, als in den Abend- oder Nachtstunden. Büros werden genutzt, Fernseher laufen, Waschmaschinen verrichten ihren Dienst, alles Umstände, welche zu Verbrauchsspitzen führen. Je weiter der Tag fortschreitet, um so geringer wird der Bedarf an Strom. Die Rotoren in Windparks drehen sich weiter, die Turbinen in Wasserkraftwerken produzieren ebenfalls Strom, den sie allerdings nicht speichern können. Den Nachfragespitzen tagsüber stehen somit Produktionsspitzen, die Niedriglastzeiten, in der Nacht gegenüber. Da es einfacher ist, diese auch direkt an die Verbraucher abzugeben anstelle sie zu speichern, bieten einige regionale Versorger noch den sogenannten Nachtstrom zu günstigeren Konditionen an.

Angebot an Nachtstrom ist rückläufig

Im Laufe der Jahre nach der Liberalisierung des Strommarktes näherten sich die Preise für Strom aus Niedriglasttarifen den Preisen für Tagstrom immer mehr an. Auf grund der zusätzlichen Kosten, die mit Nachtstrom einhergehen, wurde es für viele Verbraucher daher immer unattraktiver, auf diese Form der Versorgung zurückzugreifen. Vor diesem Hintergrund rückten immer mehr Anbieter von den Nachtstromtarifen ab.

Nachtspeicherheizungen auf dem Index

Neben den ökonomischen Gründen gibt es aber auch noch ökologische Gründe für den Rückgang an Nachtstrom. Bis zum Jahr 2007 wurden Nachtstromanlagen mit einer Ermäßigung von 60 Prozent gefördert. Dieses Förderung entfällt jedoch seitdem für die sogenannten Altanlagen. Um eine Altanlage handelt es sich bei Geräten mit einem Einbaudatum vor dem 1. April 1999. Im Jahr 2008 entschied die Bundesregierung, dass auch die Förderung für Anlagen mit einem späteren Einbaudatum entfällt, da Nachtspeicherheizungen als umweltschädlich eingestuft wurden. Der Einbau ist nur noch bis zum Jahr 2019 in Wohnhäuser mit mindestens fünf Parteien erlaubt. Ab 2019 müssen die Hauseigentümer die Anlagen gegen energieeffizientere Alternativen austauschen.

Voraussetzungen für die Nutzung von Nachtstrom

Wer sich den umweltpolitischen Herausforderungen von Nachtstrom dennoch stellen möchte, muss einige Voraussetzungen beachten:

  • Haushalte, welche Nachtstrom nutzen möchten, benötigen dafür einen zweiten Stromzähler. Über diesen Zähler wird der Strom abgerechnet, der zum Nachttarif geliefert wird.
  • Obwohl Nachtstrom selbst günstiger ist, kommen dennoch zusätzliche Kosten auf den Nutzer zu. Für den Zweitzähler berechnen die Energieunternehmen eine zusätzliche monatliche Gebühr, welche in der Regel über der Gebühr für den Erstzähler liegt.

Die Umschaltung von Tag- auf Nachtstrom erfolgt entweder über eine Zeitschaltuhr, welche den einen Zähler ab- und den anderen einschaltet. Alternativ dazu kann auch über Funk der Zählerwechsel initiiert werden. Dies geschieht über eine Frequenz, welche auf die Netzspannung gelegt wird. Als dritte Option bietet sich eine Funkrundsteuertechnik an, die über Langwelle auf die Zähler zugreift.

Neben einem zweiten Zähler bedarf es aber noch einer ganz wichtigen Voraussetzung. Der Strom wird ja nicht nachts verwendet, sondern nur eingespeist, damit tagsüber mit dem billigeren Strom der Haushalt versorgt wird. Dafür benötigt der Haushalt folglich einen Speicher. Dabei handelt es sich um keramische Nachtspeicherheizungen, die auch für Heizzwecke genutzt werden.

Lohnt sich der Wechsel bei einer vorhandenen Nachtspeicherheizung?
Nachtstromanlagen bedingen in der Regel einen höheren kWh-Verbrauch. Der Wechsel von einem Nachttarif würde bedeuten, dass ein etwas teurerer Tarif mit einem erhöhten Stromverbrauch einhergeht, eine Rechnung, die sich nicht lohnt. Es kann allerdings durchaus rentabel sein, die Nachtspeicherung und den zweiten Zähler komplett abzuschalten und auf einen reinen Tagtarif umzustellen.